Urlaubstypen

By mynster

Es gibt vermutlich unendlich viele Möglichkeiten seinen Sommerurlaub, respektive generell Urlaub, zu verbringen. Letztlich lässt sich aber jede Spielart auf einen von fünf Archetypen runterbrechen.

1) Der Pauschalurlauber:  Der Urlaub im Juli wurde schon im Januar oder Februar nach der intensiven Lektüre des Neckermann-Kataloges gebucht, mit dem Ergebnis, dass man wieder in das selbe öde All-Inclusive-Hotel an der türkischen Riviera fährt, wie jedes Jahr. Da lernt man dann bei der gepflegten Langeweile am Pool zwischen der Lektüre von Utta Danella und Dan Brown “total interessante Leute” kennen. Von der, durch den exzessiven Tourismus ohnehin geschädigten, lokalen Kultur lernt man maximal Raki und Hamam kennen, aber das reicht dann ja auch an Exotik. Am Buffet gibts schön Schnitzel mit 30% Fett, aber das schmeckt bei 30°C natürlich besonders gut zum Billig-Bier. Nach dem Urlaub haben dann Dermatologe und Gynäkologe/Urologe alle Hände voll zu tun….

1)a) Der Pauschalurlauber-Deluxe: Entstammt einem akademischen Milieu, weswegen man sich den schönen Robinson-Club leistet. Unterscheidet sich vom Pauschalurlauber nur von der Zahl der beherrschten Fremdsprachen, dem Preis des Urlaubes, der Qualität der verzehrten Speisen und der Promiskuität. Ist auch bekannt als “Dr. Lieschen Müller”.

1)b) Der Partyurlauber: Altergruppe von 15-25, Bildungshintergrund quasi beliebig, verbringt den Urlaub praktisch ausschließlich betrunken und mit Sonnenbrand entlang spanischer Küsten. Geht später nahtlos in Typ 1) über.

2) Der Städtetourist:  Altergruppe beliebig, entstammt meist Milieus mit höherer Formalbildung. Tingelt eine Handvoll Städte ab, meist in unterschiedlichen Ländern und hat sich bereits vor dem Urlaub durch umfangreiche Lektüre in die lokale Geschichten und Kultur eingelesen. Leider sind die Informationen schon einige Jahre alt, weswegen er von den Einheimischen, bei denen er sich mit seinem Wissen anbiedert, nur mitleidiges Lächeln erntet. Generell hat der Städtetourist keine Berührungsängste, ist dann aber doch ganz froh nach dem schäbigen Hotelzimmer in Prag und den Kakerlaken in Lissabon, wieder im eigenen Bett zu schlafen.

3) Der Individualtourist: Quantitativ eine kleinere Gruppe, entstammt wie der Städtetourist Milieus mit hoher Formalbildung, respektive befindet sich noch in Ausbildung. Häufig wird ein erheblicher Teil des verfügbaren Jahreseinkommens in die Reisen investiert, dafür war man auch schon  auf jedem Kontinent, die Antarktis eingeschlossen.  Urlaub wird nicht als Erholung, sondern als Statussymbol und Mittel der Abgrenzung, insbesondere gegenüber den Pauschaltouristen unterschiedlicher Couleur gesehen. Der Individualtourist gibt sich größte Mühe, sich möglichst unauffällig in die jeweilige Kultur einzufügen, ist aber ganz froh, wenn er nach drei Wochen Entwicklungsland wieder in seinem eigenen Bett schläft (siehe Städtetourist).

4)Der Backpacker: Meist mit studentischem Hintergrund, ist er prinzipiell eine Mischung aus Städte- und Individualtourist. Mit Jack Wolfskin-Rucksack und Interrail-Ticket bereist er in den, dank elterlicher Unterstützung, ausgiebigen Semesterferien halb Europa, bloggt und twitter dabei unentwegt und arbeitet mit hoher Wahrscheinlichkeit für irgendeine Online-Redaktion, womit sich die Gelegenheit ergibt, privates und berufliches zu verknüpfen.  Geht normalerweise ab spätestens 30 in Typ 2) oder 3) über.

5) Der Camper: Äußerst inhomogene Gruppe, unterteilt sich generell in die Gruppen 5)a) motorisierter Camper und b) unmotorisierter Camper.

5)a)motorisierter Camper: Kann vom abgerockten VW Bus bis zum vollausgestatteten Reisebus alles sein. Je kleiner und abgerockter das Mobil, desto höher die Wahrscheinlichkeit, das ein skandinavisches Land das Ziel der Reise ist. Hält sich für besonders unabhängig und kreativ, macht meistens aber auch nur die Sachen, die jeder macht. Erntet im Laufe des Urlaubs eine hohe Zahl an unterschiedlich interessanten Fotografien, die sich die Mitmenschen ansehen müssen, ob sie wollen oder nicht. Je höher das Alter und je geringer der Bildungsgrad sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Campingwagen mit Dauerstellplatz auf einem norddeutschen Campingplatz belegt werden. Hiermit korrelliert auch die Wahrscheinlichkeit aus NRW zu stammen. Altersgruppe und Bildungsgrad der Gesamtgruppe sind breit gestreut.

5)b)unmotorisierter Camper: In der Regel jüngeren Publikums unterscheidet sich meist nur bezüglich der Unterkunft vom Typ 1)b), hat aber Potential mit steigendem Alter in alle anderen Gruppen abzuwandern, es sei denn der wirtschaftliche und soziale Status verbessern sich nicht wesentlich.

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